• Abschied

    Meine Lieben Freund,

    die Tage sind gezaehlt, am Montag bin ich wieder in Wuerzburg. Ich bedanke mich bei euch allen fuer eure Unterstuetzung per Email, SMS, Telefon und Brief, und ich freuemich schon sehr, euch bald in Wuerzburg wieder zu begegnen.

    Bis bald, und noch einmal letzte Gruesse aus Ghana,

    Dominik

  • Examen und Abschied

    Die lange Zeit der Examen ist vorbei, und Strom ist auch wieder in unserer Wohnung, also die besten Voraussetzungen um mal wieder Blog zu schreiben. Drei Wochen bin ich nur noch im Land, und ich hatte noch nicht richtig Zeit und Ruhe, meinen Abschied emotional schon einmal vorzubereiten. Naja, als ich heute meine Abschiedsrede am GIL gehalten habe, da musste ich schon ein wenig mit den Tränen kämpfen, aber ich habe das dann doch noch einigermaßen hinbekommen. Hier sind ein paar Fotos von mir mit meinem Abschiedsgeschenk:
    chief1 chief2

    Ansonsten erkunde ich auch noch ein wenig die urbane Jugendkultur, also was die Jungen Leute so machen. Ich habe im Kino zwei ghanaische Filme gesehen. Und war im Studio bei der Live-Übertragung von „Dance Fever“. Es ist schon komisch, wie sehr beides dem Europäischen Auge dilettantisch erscheint. Das liegt jetzt nicht daran, dass bei der Live-Show eine halbe Stunde der Strom weg war, sondern eher daran, dass die Bühne schlechter zusammengeschustert ist als die deutscher Laienbühnen, und weniger, dass die technischen Möglichkeiten eben nicht so groß sind, sondern dass die Schauspieler ziemlich melodramatisch und die Storys der Filme sehr einfach gestrickt sind (ich fühlte mich an Low-Budget-Pornos erinnert, nur dass ich vergebens darauf wartete, dass sich endlich mal jemand auszieht ;-).

    Ja, meine Mitbringsel sind auch schon fast alle gekauft, und meine Garderobe wird auf die letzten Tage auch noch etwas ausgeweitet. Und nächste Woche fahre ich noch mal ein paar Tage an den Strand, sonst komme ich aufgrund der Regenzeit wieder total blass nach Deutschland und dann glaubt mir keiner, dass ich in Afrika war.

    Also dann, viele Grüße,

    Dominik

  • Letzte Zuege

    Jetzt habe ich mich schon lange nicht mehr in meinem Blog zu Wort gemeldet. Viel passiert hier ja auch im Moment nicht. Mit den ersten Juni-Wochen neigt sich meine Arbeit langsam dem Ende zu. Am MUCG habe ich keinen regulären Unterricht mehr, ich werde höchstens noch einmal zu einer Wiederholungsstunde dorthin fahren, am GIL habe ich noch drei reguläre Stunden, zwei mit Prüfungsvorbereitung, eine um unser Projekt „Schülerzeitung“ abzuschließen.

    Dann kommen die Examen, und da mein Chef schon ab 8. Juni weg ist und mit den Vorbereitungen für die neue Stelle anfängt, darf ich die Bachelorprüfungen durchführen. Das ist schon ganz schön spannend. Ich werde sie zwar nicht korrigieren, das muss ein Außrenstehender machen, aber ich werde die Prüfungen beaufsichtigen und der mündlichen Beisitzen. Ich glaube Sprachassistenten in anderen Ländern haben nicht so viel Verantwortung wie ich, insofern bereue ich in keinster Weise mein Jahr hier. Ich habe viel gelernt, viel ausprobiert, und ich glaube, dass mein zukünftiger Lebensweg sehr davon profitieren wird.

    Am Wochenende hat die Regenzeit auch so richtig angefangen. Samstag war komplett verregnet und heute sieht es auch nicht besser aus. Ich habe dann gestern auch eine Stunde in einem Massagestudio gewartet, bis ich wieder auf die Straße konnte. Ja, ich habe mich gestern mal massieren lassen, und ich fühle mich sooooo entspannt! Vom Nacken bis zu den Füßen, eine dreiviertel Stunde und das ganze für unter 20 Euro!!! Das war auch ein echter Profi, der meine Wirbel wieder etwas eingerenkt hat. Hätte ich nicht gedacht.

    Was ich mit meinem heutigen Regentag anfange, weiß ich noch nicht genau, aber ich habe noch ein paar Aufsätze zu korrigieren, und werde dann wohl irgendwo zu Mittag essen. Heute Abend werde ich vielleicht im Champ’s mal wieder einen Film anschauen, aber das weiß ich noch nicht so genau.

    Ich habe nur noch knapp vierzig Tage, und dann bin ich wieder in Würzburg, bei euch, und ich freue mich schon sehr darauf, denn langsam treibt es mich zu neuen Taten.

    Viele Grüße aus Afrika,

    Dominik

    P.S. Ach ja, vielen Dank für die vielen Geburtstagsgrüße und Karten. Ich habe mich sehr gefreut!!!

  • Korruption

    Liebe Grüße aus Ghana, meine Lieben! Im Moment passiert hier nicht ganz so viel. Naja, ich hatte auch die letzten beiden Wochen kaum Unterricht. Am GIL war eine Veranstaltungswoche der Studierendenvertretung, d.h. also, dass es keinen Unterricht gab (eigentlich hätte ich die Stunden, die da ausgefallen sind, noch gebraucht). Am MUCG war aber ganz normaler Unterricht, und da hat mich dann auch mein Chef besucht. War eine ganz gute Stunde, mit der ersten Hälfte war ich nicht so zufrieden, die zweite war ok. Aber mein Chef hat sich auch viel Zeit genommen, die Stunde im Detail mit mir zu besprechen, und hat mir sehr viele gute Hinweise und Tipps gegeben. Sachen, die mir als Autodidakt so auch gar nicht aufgefallen wären.

    Am letzten Mittwoch hatte ich dann meine erste Bestechung. Das war ziemlich gemein, denn ich musste gar nicht selbst die Initiative dazu ergreifen. Ich brauche noch für die Aufenthaltsgenehmigung ein Gesundheitszeugnis und dafür bin ich ins Police Hospital gegangen (hätte mir ja schon denken können, dass gerade da nicht alles mit rechten Dingen abläuft). Der Polizist am Eingang hat sich dann auch gleich um mich gekümmert, hat gesagt, dass ich ihm einfach 600,000 Cedis geben soll, dann kann ich es am Nachmittag abholen. Ich habe dann nach einer Quittung gefragt, weil das ja schon viel Geld ist (ca. € 50), worauf er meinte, dass es dafür normalerweise keine Quittung gibt. Da wusste ich dann schon wie das ganze gemeint ist. Naja, ich habe es dann mal drauf ankommen lassen, und Nachmittags habe ich dann mein Gesundheitszeugnis abgeholt, auf dem mir attestiert wurde, dass ich

    a) keine Suchtprobleme habe
    b) TBC negativ bin
    c) keine Anzeichen anderer übertragbarer Krankheiten zeige
    d) mein physischer und psychischer Status normal sind
    e) eine Gelbfieberimpfung besitze
    f) keine quarantänepflichtigen Krankheiten trage, die unter internationale Gesundheitsbestimmungen fallen,

    und das alles, ohne dass ein Arzt mich auch nur angesehen hat! Naja, im Prinzip war mir das ganz recht, für die ganzen Untersuchungen hätte ich bestimmt ewig rumrödeln müssen, da röntgen, dort Blut abnehmen lassen usw.

    Am Samstag hatte ich dann mit meinem Chef und der Sprachabteilungsleiterin des Goethe Instituts Aufsicht beim TestAS, eine Prüfung für Ausländer, die an einer deutschen Hochschule studieren wollen. War ganz interessant, ich hätte wohl sehr mäßig abgeschnitten, aber ich bin auch schon sehr weit vom Abitur weg, wo man noch näher an den Fragestellungen liegt, um die es in diesem Test ging. Naja, zumindest habe ich jetzt auch Erfahrung im TestAS, macht sich auch ganz gut im Lebenslauf.

    Mehr ist in Moment nicht passiert, wir hatten in den letzten zwei Wochen auch mal wieder ein paar Tage fließend Wasser, und die irregulären Stromausfälle nehmen im Moment etwas zu.

    Die Regenzeit scheint auch zu beginnen, es ist jetzt etwas kühler, dafür auch schwüler, meistens bewölkt und ab und zu regnets auch mal.

    Also dann, machts mal gut,

    Dominik

  • Man lernt nie aus...

    Deutsche Frauen aufgepasst ;-)

    Ich hatte ja selbst noch nicht davon gehört, und so geht es allen Deutschen hier im Compound, aber es gibt Kondome für Frauen. Die anderen Europäer kannten das aber, und da ich ja immer darauf aus bin, etwas neues zu lernen, habe ich Kate (im Bild), die für eine „reproductive health“-Klinik arbeitet, gebeten, mir das mal zu zeigen. Der kleine Ring ist flexibel und wird eingeführt. Dann öffnet er sich und, naja, versperrt den voranpreschenden kleinen Soldaten den Weg. Da hier in Afrika hauptsächlich die Frauen in Sachen Verhütung und Familienplanung erreicht werden, ist es wahrscheinlich populärer. Aber Kate hat gemeint, dass in Europa sehr viele Homosexuelle das Femidom benutzen. Sie nehmen den inneren flexiblen Ring raus und stecken sich das ganze Ding...ihr könnt euch sicher vorstellen, wohin. Das machen sie bevor sie um die Häuser ziehen. Sie haben dann quasi die Tüte den ganzen Abend im A****, und sind für den spontanen Sex bestens geschützt. Sachen gibt‘s...

    Femidom-Wrapper Kate+Femidom

  • Kultur und Polizisten

    Am Mittwoch war ich zum ersten mal im National Theater. Anlässlich der Ghana@50 Feierlichkeiten wird dort in den nächsten Wochen eine Reihe kurzer Dramen von ghanaischen Autoren gezeigt. Das Stück hieß „The Slaves“ (von Mohammed Ben Abdallah) und war sehr interessant.Es ging im großen und ganzen um den westafrikanischen Sklavenhandel. Das Setting war ein Sklavenkerker in einer nicht benannten Festung. Mehrere Sklaven planen einen Ausbruch, der am Ende vereitelt wird. Die Charaktere waren dabei sehr interessant. Es gab den Wärter, dessen Mutter eine Sklavin war, den Krieger, den Priester, eine Frau, die sich dem Wärter sexuell anschmeichelt, also die Kollaborateurin. Mit kraftvollen Aussagen wird ein sehr objektives Bild des Sklavenhandels gezeigt. Kritik wird nicht nur am weißen Mann geäußert, auch an den Schwarzen, die die Nachfrage mit Mengen von Gefangenen bedienen, und an den Arabern, die den Sklavenhandel schon Jahrhunderte vorher kultivierten. Und doch kommt die große Schuld der Kolonialherren durch, die Misshandlung der Menschen, die schlechter als das eigene Vieh behandelt werden, die Massendeportationen, das Plündern einer ihnen fremden Welt. Immer wieder wurde das Stück von Trommeleinlagen, Tänzen und sogar eine Juju-Zeremonie (Voodoo) koloriert.

    Noch interessanter war allerdings das Publikum. Ghanaer neigen dazu, sehr expressiv mitzugehen, es wurde viel geschrien und laut gelacht und geklatscht. Das fand ich etwas Schade, weil dadurch die Momente auf der Bühne, die sehr intensiv werden könnten, ziemlich stark aufgeweicht worden sind. Hauptsächlich waren Studenten im Publikum, die ziemlich kindisch waren und zum Beispiel immer gekichert haben, wenn ein Schimpfwort wie F***! gesagt wurde. Auch in einer Szene, in der eine Frau vergewaltigt wurde, ging das so. Naja, andere Länder andere Sitten ;-)

    Am Samstag war dann das große Konzert des Goethe Instituts anlässlich des 50jährigen Jubiläums. Das Motto war Burger Highlife. Highlife ist die traditionelle ghanaische Musik, die sich seit den Zeiten der Goldküste entwickelt hat. In den frühen Achtzigern unter dem Rawlings-Regime war es für die Künstler aber sehr schwer sich über Wasser zu halten. Da es abends Ausgangssperren gab, wurden die Auftrittsmöglichkeiten immer geringer. Als einziger Ausweg galt die Emigration. Da die Iron Lady in England die Grenzen dicht gemacht hatte, kamen viele Ghanaer zu dieser Zeit nach Deutschland (in der Tat hatte damals Deutschland die meisten Ghanaer in Europa), die meisten nach Hamburg. Die technischen Möglichkeiten, das relativ große Publikum und die neuen Freiheiten ermöglichten der Ghanaischen Musik den Weg zum „Burger“ (für Hamburg) Highlife.
    Das Konzert war absolute spitze. Ich habe mich sehr amüsiert, auch wenn die Reihenfolge der Künstler und die Zahl der Lieder, die sie singen durften, anders organisiert hätte werden können. Gegen Ende war es ein bißchen lang und auch langweilig. Aber alles in allem ein super Abend.
    Schon auf den Vorlesungsabenden zum Thema, die im Goethe Institut abgehalten wurden, hat man interessante Einblicke gewinnen können. Vor allem, warum es in der Musikszene hier so düster aussieht. Das hat zwei Gründe. Zum einen gibt es hier zwar Copyrights, aber sie werden nicht gründlich durchgesetzt. Gut, für manche (Sebastian) mag das nicht so schlimm sein, wenn die Künstler ihren Lebensunterhalt nicht mit ihrer Musik bestreiten können, aber Raubkopien und CD-Piraterie nehmen diese Lebensgrundlage weg und die Qualität und Entwicklung leidet darunter. Auch auf der technischen Ebene, denn während in Deutschland ein Lied, das auf CD kommen soll, drei Tage aufgenommen und gemischt wird, hat man hier nur ein paar Stunden Zeit, mehr lohnt sich eben nicht. Zum anderen kommt noch hinzu, dass die Künstler „payola“ zahlen müssen. Das ist die Schmiere, die sie dem Radio-DJ geben, damit der ihre Lieder spielt. Dass dies natürlich die moderne Musikwelt Ghanas aufs äußerste verarmen lässt, liegt auf der Hand.

    So viel dazu, aber ich möchte noch zum Abschluß eine kleine Anekdote von unserer Rückfahrt vom Konzert erzählen. Ich war mit Kate (eine etwas dickere Engländerin) und Daniela (Deutsche), zwei Mitbewohnerinnen, im Taxi nach Hause unterwegs, als wir an einer Polizeisperre aufgehalten wurden. Die gibt es in Accra öfters, besonders nachts, aber diesmal war der Polizist mehr an den Passagieren, und weniger am Taxi und seinem Fahrer interessiert. Also kam er ans Auto und leuchtet rein. Nach dem üblichen „Hello, how are you doing...“ kam es dann zu folgendem Dialog:

    Polizist (leuchtet auf Kate): Is that your wife?
    Ich: No, it’s my sister!
    Polizist (leuchtet auf Daniela): And that, is that your wife?
    Ich: No, she’s also my sister.
    Polizist: I want to buy one of your sisters!
    Ich (lachend): Ah, you see, i can’t sell you my sisters, they don’t belong to me!
    Polizist (leuchtet wieder auf Kate): I like the big one...I like big tits!
    Ich bin sprachlos vor erstaunen und dem Lachanfall, der langsam in mir hochkommt.
    Kate (totally annoyed): No, thank you, I’m already married!
    Polizist (leuchtet auf Daniela): And you? Are you also married?
    Daniela (verängstigt, sie ist noch nicht so lange da): Yes.
    Polizist: Ok, go on!

    Und seine Taschenlampe winkend gebietet er dem Taxifahrer weiterzufahren. Ich habe mich bis nach Hause nicht mehr eingekriegt vor Lachen ob dieser Dreistigkeit des Polizisten, aber Kate war richtig sauer, auch wenn ich ihr ständig gesagt habe, dass das hier in Ghana doch ein Kompliment sei ;-) Aber beim nochmaligen lesen fällt mir auf, dass die Geschichte in der Nacherzählung etwas langweilig wirkt, das wars aber ganz und gar nicht.

    Ja, so war mein Wochenende, ich hoffe, ihr habt auch so interessante Geschichten erlebt, und wenn nicht, dann habt ihr noch gute zweieinhalb Monate Zeit, mich zu besuchen.

    Also dann,

    Dominik

  • Mal wieder Fotos

    Liebe Freunde, Ostern ist vorbei, und ich hoffe, ihr hattet alle schöne Feiertage, im Kreis der Familie oder wo auch immer. Ich habe die ganze letzte Woche etwas ruhiger angehen lassen, und sitze heute Abend wieder nach einem Arbeitstag hier und schreibe meinen Blog.

    Viel ist nicht passiert. Also werde ich einfach mal ein paar Bilder bloggen.
    Als erstes kann ich euch mal ganz offiziell zeigen, dass ich nichts zu verbergen habe, zumindest nicht hier in Ghana. Das attestiert mir dieses polizeiliche Führungszeugnis:

    police report

    Am Samstag hat es dann mal wieder furchtbar gewittert, dafür war es die letzten Tage dann fast unerträglich heiß. Hier ein Bild von unserem Balkon kurz bevor es los ging. Es ist vor allem interessant, dass genau da wo der Strand ist die Wolken komplett aufhören, und sich erst über dem Land anstauen:

    gewitter2 gewitter

    Am Ostersonntag war ich dann in der Kirche. Da ist dann sogar etwas sehr außergewöhnliches passiert. Ich bin nämlich nur fünf Meter vom ghanaischen Präsidenten gesessen, der zufällig auch Katholik ist und wenn er Zeit hat noch immer in seine alte Gemeinde geht. Der Präsident ist wirklich ein ganz schöner Brocken von einem Mann, und ich verstehe jetzt, warum er den Spitznamen, „the gentle elephant“ hat.
    Am Montag war ich den ganzen Tag am Swimming Pool, diesmal im La Palm, das ist das beste Hotel des Landes. Dort hat auch Hotte Köhler und seine Delegation den Staatsbesuch verbracht. Ich habe mir dann vorgestellt, wie unser Staatsoberhaupt im Pool seine Runden gezogen und ein wenig mit schwarzen Schönheiten an der Bar geschäkert hat und habe mich richtig privilegiert gefühlt. Das Mädchen mit mir auf dem Bild ist Vanessa aus England. Sie ist eine meiner besten Freundinnen hier.

    vanessa+i la palm

    Und schliesslich noch zwei Studenten bei ihrem Mid-Term-Examen:

    klausur2

    Machst gut bis zum naechsten Mal,

    Dominik

  • Polizei

    So, jetzt bin ich wieder um eine Erfahrung reicher. Zum ersten Mal in meinem Leben hat die Polizei bei mir Fingerabdrücke genommen ;-) Das Ganze ist aber sehr harmlos. Für meine endgültige Aufenthaltsgenehmigung (die ich so ungefähr drei Monate vor meiner Abreise bekommen werde), brauche ich nicht nur ein Gesundheitszeugnis, sondern auch ein polizeiliches Führungszeugnis. Dazu musste ich zur Kripo. Ich habe schon mit dem schlimmsten gerechnet, irgendeine dunkle Kaschemme in der ein übel grinsender schlampig gekleideter, unrasierter Mitfünfziger sitzt, die Beine auf dem Tisch und mit einem Bleistift im Ohr pulend, der für jeden Satz, den er sagt eine Gebühr verlangt und mir dabei mit seiner Schreibtischlampe ins Gesicht leuchtet (ja, ich lese und schaue zu viele schlechte Krimis), aber meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt. Gut, das Gebäude ist genauso schäbig, wie alle öffentlichen Gebäude hier, aber der Beamte, der sich mit mir befasste war ein junger, höflicher Mann, so wie man sich das wünscht, der mir sehr geholfen hat, und mich überall, wo ich hin musste, geführt hat, das Zimmer war sehr nett, der Fernseher (eine ghanaische Soap) lief, die Akten stapelten sich auf den Schreibtischen, es war hell und angenehm kühl. Der einzige Unterschied zu Deutschland war nur, dass keine Computer herumstanden (ach ja, und dass sich der Asisstent meines Detectives mit einer Büroklammer in den Zähnen gepult hat...). Also Polizeiarbeit, wie sie sein sollte, mit Augen, Ohren und Instinkt.
    Ich musste mir dann eben meine Fingerabdrücke nehmen lassen, bei einer sehr hilfreichen Beamtin, die das unzählige Male am Tag macht (die Ghanaer brauchen auch so ein Zeugnis, wenn sie ein Visum beantragen) und habe mich mit Absicht ungeschickt angestellt, damit auch kein Zweifel aufkommt, dass ich das zum ersten Mal mache. Viele von euch werden sich jetzt sicher sagen, dass es ja auch endlich Zeit wird, dass der Dominik polizeilich erfasst wird, aber das heißt ja nur, dass ich in Zukunft meine Spuren noch besser verwischen muss ;-). Dann wurden noch von mir Fotos gemacht, vor einem roten Vorhang, also kann ich leider nicht mit dem klassischen Polizeifoto aufwarten, mit den Streifen im Hintergrund und dem Schild in der Hand. Außerdem lächel ich, d.h. als Fahndungsfoto ist es auch undenkbar.
    Tja, das war das, und es bleibt nur noch zu hoffen, dass die hiesige Polizei verantwortungsvoll mit meinen Abdrücken umgeht (sie zum Beispiel nicht an die Amis vercheckt), und am Montag tatsächlich die Dokumente fertig sind.

    Ach ja, ich habe meinen Flug jetzt auch fest gebucht. Ich fliege am Sonntag, den 15. Juli 2007 um 19:00 Uhr am Kotoka International Airport ab, und wenn alles gut läuft, dann lande ich Montag, 16. Juli 2007 um 5:25 in Frankfurt und habe, denke ich, etwa um 6:00 Uhr wieder echten deutschen Boden unter den Füßen, und atme circa eine Dreiviertelstunde später nach 10 Monaten minus zwei Tagen endlich wieder gute heimatliche bayerische Luft.

    Bis dahin,

    Dominik

  • Mal wieder

    Viel passiert hier im Moment nicht, wie ihr ja sicher an meinem Mitteilungsbedürfnis gemerkt habt. Das Semester hat ja wieder angefangen und so langsam läuft es auch an. Ich habe jetzt allerdings ein paar Mal mit meinen Studenten schimpfen müssen. Als erstes mit meiner Lieblingsklasse, die einmal geschlossen nicht zum Unterricht gekommen ist, weil sie eine Klausur nach meiner Stunde hatten. Denen habe ich gesagt, dass es ok ist, wenn sie in so einer Situation nicht kommen, aber dass sie mir dann bitteschön Bescheid sagen sollen, damit ich nicht um sieben Uhr morgens andackel und dann in einem leeren Zimmer stehe. Das zweite war dann ein SOL-Schüler, der während der Stunde an sein Hady gegangen ist. Da bin ich dann schon etwas lauter geworden, das geht halt überhaupt nicht. Dass die Handys während des Unterrichts klingen, daran habe ich mich ja schon gewöhnt. Aber rangehen und sprechen, das geht nun wirklich nicht. Schließlich hat es dann noch meine Klasse am MUCG abbekommen. Da waren nur fünf Studenten da, zwei davon waren auch noch 50 Minuten zu spät, und als ich dann sagte, sie sollen ihr Buch aufschlagen, und aufblicke und nur einer sein Material dabei hatte, da ist mir der Geduldsfaden gerissen: Ich habe lautstark mein eigenes Buch auf das Pult geknallt, und dann habe ich sie richtig zurechtgestutzt. Ich habe ihnen gesagt, dass das so nicht geht, dass ich hier nicht den Alleinunterhalter mache, und dass man von Universitätsstudenten erwarten kann, dass sie zumindest ihre Arbeitsunterlagen mitbringen. Der heftige Ausbruch hat mir dann aber gleich wieder Leid getan und ich habe mich auch gleich danach entschuldigt, aber vielleicht ist ja was hängen geblieben, das hoffe ich zumindest.
    Die Uni hier ist wirklich nicht mit der in Deutschland zu vergleichen. Ich bin wirklich entsetzt, dass die Leute hier noch so viel Authorität brauchen. Dabei haben sie das selbe Alter wie wir. Aber sie lernen ja auch keine Eigenverantwortung, denn das College ist genauso authoritär strukturiert. Es gibt einen genauen Stundenplan, es wird erwartet, dass man sich den Lehrern auf eine streng hierarchische Art und Weise nähert (diesen Punkt habe ich zumindest für mich nicht übernommen, ich lasse mich duzen und beim Vornamen nennen) und die Ghanaer sind kulturell darauf trainiert, im Grunde nicht zu sagen, wenn sie etwas nicht verstehen oder wissen, oder eine andere Meinung haben. Lieber einfach mal drauf losmachen und hoffen, dass es ein gutes Ende nimmt.

    Ansonsten war ich wieder auf einer Ghanaian Teachers of German-Versammlung. Vormittags war dabei wenigstens ein kleiner Workshop von einer DaF-Praktikantin am Goethe-Institut über Lernstrategien. Der war sehr interessant und spannend, und konnte auch von den paar Abschweifungen der ghanaischen Lehrer nicht allzusehr in die Länge gezogen werden. Dann gab es Mittagessen und danach war die eigentliche Konferenz, die wieder einmal nur aus Blabla und heißer Luft bestand. Habe ich schon erwähnt, dass ich jetzt eine österreichische Kollegin habe? Die macht ein Praktikum am GIL und war auch dabei. Ich glaube, die hat die Konferenz noch sehr ernst genommen, und hat noch nicht so den Einblick wie man Sachen hier einzuschätzen hat. Nur so ein kleines Beispiel: Schon seit zwei Jahren wird immer wieder gesagt, dass es eine Homepage geben soll, auf der man INformationen austauschen kann. Jetzt gibt es eine Emailadresse, und jeder Lehrer hat das Passwort dazu, um dort Emails für alle hinzuschicken und zu lesen. Naja, so ist das halt.

    Meinen Rückflug wollte ich auch mittlerweile buchen, habe ihn ersteinmal reserviert, weil der Saftladen von Lufthansa keine Kreditkarte nimmt (man stelle sich das mal vor) also darf ich mit meiner Millionen hindackeln. Das ist echt das letzte Mal, dass ich Lufthansa fliege. Der Service ist nicht mehr mit den anderen Airlines zu vergleichen, sie sind unverschämt teuer, und irgendwie ärgert man sich nur mit ihnen. Ich komme am Montag, den 16.Juli in den fühen Morgenstunden nach Hause, am Dienstag werde ich wohl meine Tropennachuntersuchung haben, am Mittwoch werde ich an die Uni (Sprechstunde) gehen und Samstags bin ich auf einer Hochzeit, wahrscheinlich in Eichstätt (die letzteren Sachen natürlich nur vorausgesetzt ich werde nicht in Quarantäne gesteckt, was wohl öfters vorkommt, wenn etwas gefunden wird, was die Ärzte nicht gleich identifizieren können ;-) Über meine Montagsplanung habe ich auch schon etwas nachgedacht, und ich werde sie vor meiner Abreise noch veröffentlichen (soviel sei schon einmal gesagt, ich will auf jeden Fall ein Weißbier trinken und ins Kino gehen!)

    Dann war ich mal wieder bei den Nachbarn zum Essen eingeladen. Diesmal habe ich zwei neue Erfahrungen gemacht. Zum einen habe ich das Fufu diesmal selber gestampft (da verdient man sich das Essen ersteinmal) und zum anderen war ich am Sonntag Morgen noch beim Frühstücken und habe zum ersten mal in meinem Leben Fisch (gekocht, mit Gary [falls man das so schreibt] und Peppersauce) gefrühstückt.

    Gestern war ich auf einem Konzert in der Alliance Francaise, Zao hat gespielt, ein kongolesischer Sänger mit seiner Gruppe. Das war wirklich toll, und es ist immer gut zu sehen, dass es neben Reggae auch gute afrikanische Musik gibt, Musik, die von Herzen kommt, und bei der es nicht einfach nur aufs Coolsein ankommt. Anlass ist der jetzige Monat, der in der Alliance der Monat der Frankophonie ist. Man stelle sich das mal vor, da kolonisieren die Franzosen Jahrhunderte lang diese Welt mit Feuer und Schwert, zwingen ihren Kolonien fremde Lebensweisen und eine fremde Sprache auf, treiben somit die lokalen Sprachen an den Rand der Irrelevanz, und dann wird das auch noch gefeiert, und keinen störts. Naja, das Programm der Alliance ist aber trotzdem sehr gut, und am nächsten Wochenende ist noch ein Konzert, das sehr gut sein soll.

    So, ihr lebt ja jetzt wieder zwei Stunden in der Zukunft. Bei uns wird es noch immer um sechs Uhr hell und um sechs Uhr dunkel, wie in den letzten sechs Monaten auch. Ich wünsche euch allen auf jeden Fall einen schönen Frühling und einen schönen restlichen März, alles Gute,

    Dominik

  • Freedom

    Happy Anniversary!!!

    Ghana ist gestern 50 geworden, und wir haben mitgefeiert. Am 6. März 1957 hat es die Goldküste als erstes afrikanisches Land geschafft, sich von der Bevormundung der europäischen Unterdrücker zu befreien, und mit Kwame Nkruma als Premierminister ein eigenständiger Staat zu werden. Für Nkruma, der natürlich trotz des Gewaltaktes der Unabhängigkeit nicht ohne Kritik gesehen werden darf, ging die Befreiung der Goldküste immer einher mit der panafrikanischen Befreiung und der Funke, der in Accra entsprang, wurde schnell zum Feuer, das in Afrika nicht nur Freiheitsfackeln zündete, sondern auch Steppenbrände entfachte, die den Tod vieler Menschen forderten. Ghana aber hat es geschafft, trotz der vielen Putsche, trotz der Diktaturen und trotz der schweren Zeiten zu einem sicheren, stabilen Staat zu werden, der nicht nur bei den westlichen Geberländern ein afrikanischer Vorzeigestaat ist, sondern bei dem sich der Wille und der Sinn der Demokratie auch immer tiefer in den Köpfen der Bevölkerung festsetzt.

    Der Tag begann mit einer Militärparade, von der wir nicht viel gesehen haben. Wir hatten keine Lust uns ins Getümmel zu werfen (Taschendiebe, Menschenmassen, Polizisten, die auch mal mit dem Schlagstock zuhauen, wenn die Leute nicht hören wollen), und sind dann auch früher gegangen um die ganze Sache im Fernsehen anzuschauen. Im großen und ganzen war diese Sache eine Angelegenheit, in der sich die Politiker (es waren sehr viele afrikanische Staatsgäste anwesend) selbst gefeiert haben. Aber für die Bevölkerung gab es immerhin zwei Feiertage. Um unseren Nachbarn Fifi zu zitieren, ihm ist das Trinken wichtiger als die Parade ;-)

    Das ganze Land war aber trotzdem mit Flaggen geschmückt, man muss sich das ganze vorstellen, wie Deutschland während der WM, nur ungefähr zehnmal so viel, und ohne Patriotismuskritik. Wir haben uns auch alle in den Farben des Landes geschmückt und sahen aus wie richtige Touristen. Die Stadt wurde auch schön hergerichtet, man hat sogar die Buden von den ärmeren Verkäufern abgerissen, damit die nicht das schöne Bild verschandeln (ich habe mal gefragt, ob die dann Ersatzplätze bekommen haben, und nein, das ist dem Staat dann schon egal, wenn es um das Sich-Präsentieren geht).

    Den Nachmittag habe ich relaxed, ein bisschen gearbeitet, und schließlich sind wir abends von unserer Vermieterin (der an sich bösen Aunty C.) zum Dinner eingeladen worden, weil eine Party anlässlich des Geburtstages der Republik und zweier Personen auf dem Compound stattfand.

    Jetzt ist das Chaos also vorbei, und jetzt geht die Arbeit wieder ganz normal weiter, zumindest bis Ostern.

    Ach ja, letztes Wochenende waren wir mal wieder vier Tage ohne fließend Wasser. Ich bin mittlerweile ganz geübt in der Bucket Shower, und ekle mich immer weniger vor vollge***enen Klos. Irgendwie ist das alles hier mittlerweile so zum Alltag geworden, das ist auch der Grund, warum ich meinen Blog nicht mehr so pflege. Ich bin angekommen, und bin hier jetzt zu Hause. Es hat zwar etwas länger gedauert als in Irland, aber ich glaube, das kann man mir verzeihen.

    Also, es grüßt euch alle ganz herzlich

    Dominik

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